Donnerstag, 2. Mai 2024

Eine überraschende Wendung

 In der Nähe raschelte es im Gebüsch, doch vor lauter Ränkeschmieden fiel das den Hyänen gar nicht auf. Unbemerkt war der Papagei den Hyänen gefolgt, denn tief in seinem Inneren hatte er gespürt, dass mit denen nicht gut Kirschen essen war. Er saß auf einem Ast, gut verborgen zwischen den Blättern und hörte zu. Ihm war klar, dass er rasch handeln musste und dachte angestrengt nach. Die Hyänen würden nicht lange warten, bis sie zur Tat schritten, das war klar. Ungeduldig wartete der Papagei, bis die Hyänen ihre geheime Zusammenkunft endlich auflösten. Die letzten Worte hatte der Papagei nur undeutlich verstanden, nahm jedoch an, dass innerhalb der nächsten Tage mit dem Attentat zu rechnen war. Schließlich war es nun nur noch eine Woche bis zur entscheidenden Wahl. Als die Hyänen endlich verschwunden war, erhob sich der Papagei sofort in die Luft, um die Ameisen zu warnen.



Geschäftiges Treiben herrschte am Ameisenhaufen. Die kleinen, aber starken Insekten mühten sich ab, arbeiteten, trugen Essbares zum Hügel und der Boden war überfüllt von den kleinen schwarzen Krabblern. Als der Papagei mit weit ausgebreiteten Schwingen landete, erschraken sich die Ameisen gewaltig. „Erschreckt euch nicht“, sagte der Papagei. „Ich möchte euch warnen.“ Dann erzählte er vom fiesen Plan der Hyänen. Die einen Ameisen reagierten verstört, andere zuckten ängstlich zusammen, wieder andere wurden wütend. „Wir dürfen uns davon nicht ins Bockshorn jagen lassen“, bestimmte die Ameisenkönigin. „Wenn wir alle zusammenhalten, können wir den Hyänen ein Schnippchen schlagen.“ Gesagt, getan. Während ein Teil der Ameisenkolonie weiter dem Tagewerk nachgingen, versteckten sich andere unter Blättern, um die Umgebung genau zu beobachten. In der zweiten Nacht nach der Nachricht des Papageis war es soweit. Die kleine Ameise, die auch in der großen Besprechung der Tiere ihr Wort erhoben hatte, sah, wie sich ein dunkler Schatten dem Ameisenhügel näherte. Plötzlich war die Luft erfüllt von einem süßen Duft, der bis in alle Sinne vordrang. „Sie verteilt den Honig“, fuhr der Ameise durch den Kopf. Unbemerkt lief sie zum nächsten Blatt, unter dem sich eine weitere wachhabende Ameise versteckt hatte, und warnte sie. In Windeseile verteilte sich die Nachricht, dass die Hyänen ihre Falle vorbereitet hatten, im Ameisenhügel. Die Hyäne merkte nichts, sie war ganz und gar damit beschäftigt, den Köder zu verteilen. Mit einem Mal griffen die Ameisen an. Hunderttausende kleine Ameisen stürmten auf die Hyäne zu, bissen sie, zwickten sie und die Hyäne wusste gar nicht, wie ihr geschah. Es juckte und zwickte überall und heulend ergriff sie die Flucht. Doch sie kam nicht weit, denn im Umkreis des Ameisenhaufens hatten sich der Papagei und die Riesenschildkröte ebenfalls positioniert. Vom Gebrüll der Hyäne angelockt, waren in der Nähe weitere Tiere aufgewacht und tauchten verschlafen aus ihren Höhlen und Unterschlupfen auf. „Dein Plan ist nicht aufgegangen“, sagte die Riesenschildkröte. Verschämt blickte die Hyäne zu Boden. „Es kommt nicht darauf an, wie stark man ist“, sprach die Riesenschildkröte weiter. „Sondern darauf, dass man in schwierigen Situationen zusammenhält. Dann bezwingt man auch einen Gegner, der auf den ersten Blick viel stärker und gefährlicher aussieht.“ Die Hyäne sagte nichts. „Nun gut, dir ist hoffentlich klar, dass du nicht mehr für die Wahl kandidieren kannst.“ Erschrocken blickte die Hyäne hoch. „Stattdessen musst du einen Monat lang im Ameisenhügel helfen.“ Die Hyäne nickte und sah wieder betreten zu Boden. Sie sagte auch nichts, als einige Tiere sie in ihre Mitte nahmen und für den Rest der Nacht ins Höhlengefängnis brachten. Von ihren Freunden, den anderen Hyänen, war nichts mehr zu sehen. Die hatten sich wohlweislich schnell verzogen, um nicht auch noch für ihr Vergehen belangt zu werden.

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