In der Nähe raschelte es im Gebüsch, doch vor lauter Ränkeschmieden fiel das den Hyänen gar nicht auf. Unbemerkt war der Papagei den Hyänen gefolgt, denn tief in seinem Inneren hatte er gespürt, dass mit denen nicht gut Kirschen essen war. Er saß auf einem Ast, gut verborgen zwischen den Blättern und hörte zu. Ihm war klar, dass er rasch handeln musste und dachte angestrengt nach. Die Hyänen würden nicht lange warten, bis sie zur Tat schritten, das war klar. Ungeduldig wartete der Papagei, bis die Hyänen ihre geheime Zusammenkunft endlich auflösten. Die letzten Worte hatte der Papagei nur undeutlich verstanden, nahm jedoch an, dass innerhalb der nächsten Tage mit dem Attentat zu rechnen war. Schließlich war es nun nur noch eine Woche bis zur entscheidenden Wahl. Als die Hyänen endlich verschwunden war, erhob sich der Papagei sofort in die Luft, um die Ameisen zu warnen.
Geschäftiges Treiben herrschte am Ameisenhaufen. Die
kleinen, aber starken Insekten mühten sich ab, arbeiteten, trugen Essbares zum
Hügel und der Boden war überfüllt von den kleinen schwarzen Krabblern. Als der
Papagei mit weit ausgebreiteten Schwingen landete, erschraken sich die Ameisen
gewaltig. „Erschreckt euch nicht“, sagte der Papagei. „Ich möchte euch warnen.“
Dann erzählte er vom fiesen Plan der Hyänen. Die einen Ameisen reagierten
verstört, andere zuckten ängstlich zusammen, wieder andere wurden wütend. „Wir
dürfen uns davon nicht ins Bockshorn jagen lassen“, bestimmte die
Ameisenkönigin. „Wenn wir alle zusammenhalten, können wir den Hyänen ein
Schnippchen schlagen.“ Gesagt, getan. Während ein Teil der Ameisenkolonie
weiter dem Tagewerk nachgingen, versteckten sich andere unter Blättern, um die
Umgebung genau zu beobachten. In der zweiten Nacht nach der Nachricht des
Papageis war es soweit. Die kleine Ameise, die auch in der großen Besprechung
der Tiere ihr Wort erhoben hatte, sah, wie sich ein dunkler Schatten dem
Ameisenhügel näherte. Plötzlich war die Luft erfüllt von einem süßen Duft, der
bis in alle Sinne vordrang. „Sie verteilt den Honig“, fuhr der Ameise durch den
Kopf. Unbemerkt lief sie zum nächsten Blatt, unter dem sich eine weitere wachhabende
Ameise versteckt hatte, und warnte sie. In Windeseile verteilte sich die
Nachricht, dass die Hyänen ihre Falle vorbereitet hatten, im Ameisenhügel. Die
Hyäne merkte nichts, sie war ganz und gar damit beschäftigt, den Köder zu
verteilen. Mit einem Mal griffen die Ameisen an. Hunderttausende kleine Ameisen
stürmten auf die Hyäne zu, bissen sie, zwickten sie und die Hyäne wusste gar
nicht, wie ihr geschah. Es juckte und zwickte überall und heulend ergriff sie
die Flucht. Doch sie kam nicht weit, denn im Umkreis des Ameisenhaufens hatten
sich der Papagei und die Riesenschildkröte ebenfalls positioniert. Vom Gebrüll
der Hyäne angelockt, waren in der Nähe weitere Tiere aufgewacht und tauchten
verschlafen aus ihren Höhlen und Unterschlupfen auf. „Dein Plan ist nicht
aufgegangen“, sagte die Riesenschildkröte. Verschämt blickte die Hyäne zu
Boden. „Es kommt nicht darauf an, wie stark man ist“, sprach die
Riesenschildkröte weiter. „Sondern darauf, dass man in schwierigen Situationen
zusammenhält. Dann bezwingt man auch einen Gegner, der auf den ersten Blick
viel stärker und gefährlicher aussieht.“ Die Hyäne sagte nichts. „Nun gut, dir
ist hoffentlich klar, dass du nicht mehr für die Wahl kandidieren kannst.“
Erschrocken blickte die Hyäne hoch. „Stattdessen musst du einen Monat lang im
Ameisenhügel helfen.“ Die Hyäne nickte und sah wieder betreten zu Boden. Sie
sagte auch nichts, als einige Tiere sie in ihre Mitte nahmen und für den Rest
der Nacht ins Höhlengefängnis brachten. Von ihren Freunden, den anderen Hyänen,
war nichts mehr zu sehen. Die hatten sich wohlweislich schnell verzogen, um
nicht auch noch für ihr Vergehen belangt zu werden.

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