Ein Murmeln ging durch die Tiere. Wieder wurden Zwischenrufe laut. „Aber kann ein Landtier uns Wassertiere wirklich so gut vertreten?“, verschaffte sich die Forelle Gehör. Der Adler stimmt ihr zu: „Stimmt, mit der Riesenschildkröte waren bislang Land und Wasser abgedeckt. Schön wäre es aber auch, wenn man sich mehr für die Belange von uns Vögeln interessiert.“ Es begann zu summen und ein Bienenschwarm erhob sich. Umringt von ihrem Hofstaat meldete sich die Bienenkönigin zu Wort: „Meiner Meinung nach sollte auf uns auch Rücksicht genommen werden. Wir Bienen sind untrennbar mit dem Wachstum der Natur verbunden.“ Jetzt redeten wieder alle Tiere durcheinander, jeder wollte sich Gehör verschaffen und die Luft war erfüllt vom Brummen, Summen, Brüllen, Kreischen und Blubbern der vielen verschiedenen Arten. „Ruhe“, gebot die Riesenschildkröte. „Ihr habt alle Recht. Wir brauchen ein Dreigestirn, das die unterschiedlichen Bereiche abdeckt. In Zukunft soll ein Team aus drei Tieren, ein Landtier, eins aus der Luft und ein Wasserlebewesen, regieren.“ Die Zuhörer pflichteten diesem Vorschlag bei. Wenig später wurde die Versammlung aufgelöst und die Umsetzung der Pläne begann. Bis zur Wahl gab es viel zu tun.
In den folgenden Tagen war es ein sehr geschäftiges Treiben
im Tierreich. Schließlich galt es vieles zu bedenken, Wahlurnen mussten
geschaffen werden, Wahlbriefe verschickt und Wahlhelfer bestimmt werden. Alle
Tiere der Luft sollten eine Wahlurne in den Wolken erhalten, auserwählt wurde
Wolke Sieben. Die Stimmzettel aller geflügelten Tiere bestanden aus großen
Ahornblättern. Für die Tiere auf dem Land sollte eine Fleischfressende Pflanze
als Wahlurne dienen. Die Venusfliegenfalle platzte fast vor Stolz, wie einen
Augapfel würde sie die Wählerstimmen, die in Form von Baumrinde in ihr bis zur
Auszählung aufbewahrt werden sollten, hüten. Und kein Tier wäre so fahrlässig,
die Klappfalle zu reizen.
Als Wahlurne für alle Wassertiere wurde die Riesenmuschel
bestimmt. Ganz stolz war sie über die Aufgabe, die ihr zuteil werden sollte.
Und auch sie schwor, die Stimmzettel in Form von Seerosenblättern erst am Ende
des Wahltages freizugeben.
Und so sollten die Land-, die Luft- und die Wassertiere
jeder ihren eigenen Abgeordneten wählen.
Immer mehr nahm auch der Wahlkampf seine Form an. Mit
Feuereifer warben die potenziellen Kandidaten für ihr Programm. Inhaltlich gab
es dabei viele Unterschiede. „Ich sorge dafür, dass keine anderen Tiere mehr in
unser Land kommen“, tönte es von der Hyäne. „Unser Land ist für uns, wir wollen
beispielsweise die Affen nicht bei uns haben, ihre Kultur passt nicht zu unserer.“
Ganz anders klang es bei der Ameise: „Ich wünsche mir, dass
wir alle friedlich miteinander leben. Dass jeder seine Stärken mitbringt, Große
und Kleine einander achten, jeder die Möglichkeit hat, das zu tun, was er
möchte.“
Und so warben der Papagei für mehr Sprachen in den
Tierschulen, die Wespen für mehr Süße im Leben, der Hund versprach weniger
Zäune und die Abschaffung der Leinenpflicht, der Hai wollte eine bessere
Wasserqualität durch das Anpflanzen von Wasserpflanzen erreichen und
gleichzeitig den Schutz der Korallenriffe vorantreiben, die Giraffe
befürwortete ein Freihandelsabkommen mit den Tigern, der Delfin setzte sich für
eine Schutzzone des tierischen Nachwuchses ein. Der Löwe hingegen wollte ein
Fitnessstudio für Großkatzen bauen, die Anakonda stellte Plakate zum Schutz des
Regenwaldes auf, das Faultier versprach 50 Wochen Urlaub im Jahr, die Bienen
wollten die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Flugtiere drosseln und
angesichts des Lärmschutzes bei zu lauten Tieren einen Dämpfer einbauen lassen.
Die Regenwürmer hingegen wollten durchsetzen, dass kein Tier nach dem
Geschlecht beurteilt wird, sondern jedes Lebewesen neutral betrachtet wird.
Ehrgeizig verfolgte die Hyäne ihre Pläne. Sie wollte die
Herrschaft zu Land an sich reißen. „Es kann nicht sein, dass uns ein Tier, das
viel kleiner und schwächer ist, Befehle erteilt“, sagte sie zu ihren
Artgenossen. Diese nickten zustimmend. „Stellt euch vor, die Ameise wird
Vertreter der Landtiere. Das darf nicht passieren. Wir sind die wahren Könige“,
stachelte die Hyäne die anderen an. „Wir müssen dafür sorgen, dass sich die
Ameise oder sonst jemand aus ihrer Familie zur Wahl aufstellt.“ Die Augen der Hyänen
blitzten boshaft. Zu gerne schmiedeten sie Intrigen und wahren auf ihren
eigenen Vorteil bedacht. Flugs entstand auch ein Plan, wie sie den Ameisen den
Garaus machen könnten. „Wir locken die Ameisen mit Honig von ihrem
Ameisenhaufen weg. Und wenn sie ganz nah bei uns sind, dann zertrampeln wir sie
einfach.“

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